„America First“ gilt in Panama seit über 100 Jahren

Am Donnerstag beginnt in Russland die Fussball-Weltmeisterschaft. Erstmals seit 32 Jahren nicht dabei sind die USA. Vertreten wird das Land trotzdem. Und zwar von einem Staat, den Washington einst mitgegründet hatte: Panama.  

Zum 72. Geburtstag von Donald Trump diese Woche stossen zwei Grossmächte aufeinander: Russland und Saudiarabien. Allerdings nicht auf dem diplomatischen Pakett, sondern auf dem Fussballfeld. Die beiden Teams eröffnen in vier Tagen die Fussball-Weltmeisterschaft im Olympiastadion Luzhinikí in Moskau.

Erstmals seit 1986 nicht mit von der Partie ist die USA. Es verlor sein letztes Qualifikationsspiel im Oktober 2017 gegen eine britische Kolonie (Trinidad & Tobago) und musste Panama als direktem Konkurrenten den Vorrang lassen – „America first“ hin oder her. Die USA mit ihren knapp 325 Millionen Einwohnern bleibt somit in den USA, Panama mit 4,1 Millionen Menschen fährt gen Osten. Dabei würde es Panama als Staat ohne Washington möglicherweise gar nicht geben. Das Land ist soetwas wie der 51. US-Bundesstaat, jedoch ohne je anerkannt worden zu sein. Eine Transit-Nation, von der die Vereinigten Staaten bis heute profitieren.

Panama ist schmal wie kein anderes Land in Mittelamerika. An seiner engsten Stelle misst es gerademal achtzig Kilometer. Auch deswegen ist der Erdfaden sowohl wirtschaftlich als auch politisch von enormer Bedeutung. Er trennt nicht nur Atlantik von Pazifik, sondern verbindet gleichzeitig Nord- mit Südamerika. Panama war für die USA von Anfang an eine strategisch unverzichtbare Brücke zwischen Ost und West, zwischen Nord und Süd.

Bereits im 16. Jahrhundert, als die spanischen Kolonialherren hier aufkreuzten, wurde die Wichtigkeit dieser Gegend erkannt.  Die Männer verdienten sich damals eine goldige Nase, indem sie die aus Peru und Bolivien stammenden Metalle über den Isthmus nach Europa schleusten. Damit die Ware zwischen Wasser und Land nicht ab- und später wieder aufgeladen werden musste, tauchte bereits damals die Idee auf, einen Verbindungskanal zwischen den beiden Meeren zu bauen.

Das war 1529.

Wirklichkeit werden sollte dieser erst knapp vier Jahrhunderte später. Dazwischen kam es zu unzähligen Schlachten zwischen Kolonialherren und Piraten der Karibik (16. und 17. Jahrhundert), zur Gründung des Königreiches Isthmus von Panama (1812) und schliesslich zur Unabhängigkeit der Spanischen Krone und dem Zusammenschluss mit Grosskolumbien (1821). (…)

Bild: Panama – ein dünner Erdstreifen, der sowohl Nord- mit Südamerika verbindet als auch den Atlantik mit dem Pazifik. (Marizu Robledo)

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